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Iberische Halbinsel im Aufwind

Hinwil, Schweiz

22.11.2018

Ferag sieht viel Potenzial für Intralogistik-Lösungen in Spanien und Portugal

Die Schweizer Ferag AG ist über die WRH Global-Organisation schon seit Jahrzehnten rund um das Mittelmeer und im Nahen Osten präsent. Während die Türkei und Griechenland aufgrund ihrer Finanzkrisen schwächeln, haben sich vor allem Spanien und Portugal zu wichtigen Märkten für die Anbieter von Intralogistiklösungen entwickelt. Auch in Ägypten – um ein Land aus dem Nahen Osten besonders herauszugreifen – zeigt sich viel Licht am Horizont, wie Jacques Orobitg, Verkaufsdirekter für die genannte Weltregion, in dem mit ihm geführten Interview berichtet.

Beschreiben Sie Ihr Verkaufsgebiet! Welches sind dort die wichtigsten Länder?

Orobitg: Definitiv Spanien. Danach folgt die Türkei. Hinzu kommt noch der ganze Nahe Osten – also die arabische Halbinsel plus der gesamte Gürtel zwischen Iran und Ägypten. Damit sind wir ja schon in Afrika. Dort zählt auch noch der Sudan zu meinem Beritt.

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Jacques Orobitg, Verkaufsdirekter Ferag

Wie würden Sie die Lage im Nahen Osten charakterisieren? Wo sehen Sie dort das meiste Potenzial?

Orobitg: Mit Sicherheit im Iran, wo auch die Automobilindustrie stark im Kommen ist. Doch das Wachstum, das 2016 dort sprunghaft angestiegen ist, verlangsamt sich nun wieder etwas. Seit den jüngsten Sanktionen ist es wieder schwierig geworden, in diesem Land Projekte zu realisieren. Auch Saudi Arabien ist derzeit kein einfaches Terrain. Als sehr konstante Region, wo wir schon seit vielen Jahrzehnten sehr erfolgreich im Geschäft sind, erweisen sich hingegen die Emirate. In Israel wiederum, wo wir unter anderem mit einer Anlage zum Fördern von Kunststoff-Spritzgussteilen für Gartenmöbel im Gespräch sind, brauchen wir ebenfalls noch einen langen Atem. Nur in Ägypten stabilisiert sich zum Glück jetzt die Situation. Wir hoffen, dass wir dort bald noch mehr Fuß fassen können.

Welche Märkte in Ihrem Verkaufsgebiet entfalten zurzeit die größte wirtschaftliche Dynamik?

Orobitg: In dieser Hinsicht liegt im Augenblick eindeutig Spanien vorn. Allerdings dürfen wir die Türkei nicht außer Acht lassen. Leider hat dort der Schwung aufgrund des sich immer ungünstiger gestaltenden Verhältnisses zwischen Lira und Euro bzw. Schweizer Franken jetzt ziemlich nachgelassen. Doch der Bedarf an neuen Verteilzentren, wo unser Skyfall-Taschensorter hervorragende Chancen hat, ist allein rund um die Riesenmetropole Istanbul sehr groß. Dabei denke ich vor allem an die Textilindustrie und an Unternehmen, die Schuhe und Lederwaren produzieren.

Auch in Spanien spielt die Modeindustrie – sprich Fashion Logistics – für Ferag eine wichtige Rolle?

Orobitg: Ganz genau. In Spanien haben wir unter anderem bei einem Hersteller von Baby- und Kinderkleidung eine Punktlandung gemacht. In wenigen Wochen geht bei diesem Unternehmen eine Skyfall-Anlage mit automatischen Be- und Entladestationen in Betrieb, die neue Superlative setzt. Mit über 52 000 Ladungsträgern, teils Hängetaschen, teils Kleiderbügel, und einem Durchsatz von 10 500 Gehängen pro Stunde handelt es sich dabei sogar um die bis dahin größte und leistungsfähigste Skyfall-Lösung im Bereich Warendistribution überhaupt.

Welche Sektoren haben Sie auf der Iberischen Halbinsel sonst noch im Fokus?

Orobitg: Neben Textil und Bekleidung, wo wir viele Anfragen erhalten, konzentrieren wir uns in erster Linie auf die Automobilindustrie. So verfügen wir über gute Kontakte zur in Burgos beheimateten Grupo Antolin. In Deutschland, genauer in Straubing, läuft ja schon seit über einem Jahr erfolgreich eine Skyfall-Linie in einem Antolin-Werk. Dabei erfüllt unser System neben reinen Transportfunktionen auch Aufgaben wie das Puffern und Überbrücken von unterschiedlich getakteten Prozessen bei der Fertigung von Instrumententafeln. Und dann spielt in Spanien nach wie vor die Druckindustrie, also unser angestammtes Marktsegment, eine Rolle. Erst vor kurzem haben wir das Vertriebszentrum von Bermont Impresión in Madrid mit einer Minisert-Anlage ausgerüstet. Diese Druckerei ist immerhin die größte in Spanien.

Apropos Portugal – wie schätzen Sie dieses Land ein?

Orobitg: Portugal hat sich wirtschaftlich inzwischen gut erholt. Das Land rückt immer mehr in unser Visier, weil dort jetzt zunehmend neue Intralogistik-Projekte initiiert werden, bei denen intelligente Lösungen für Sequenzieren, Sortieren und Kommissionieren im Vordergrund stehen. Wie in Spanien sehen wir in Portugal das Hauptpotenzial bei Mode und Automobilindustrie. Deshalb werden wir unsere Präsenz im Westen der Iberischen Halbinsel nun weiter ausbauen.

Mit welchen Stärken punktet Ferag – nicht nur auf der Iberischen Halbinsel, sondern in der gesamten, von Ihnen vertretenen Weltregion?

Orobitg: Das beginnt damit, dass wir als Weltmarktführer für die Druckweiterverarbeitung in den einzelnen Märkten schon seit mehreren Jahrzehnten aktiv sind und diese infolgedessen einfach gut kennen. Das Know-how, das wir uns in dieser Zeit mit unserem Portfolio für die Druckindustrie aufgebaut haben, können wir eins zu eins auf die Intralogistik übertragen. Hinzu kommt, dass wir sehr innovative Technologien anbieten, die in punkto Energieeffizienz, Automatisierung, aber auch in anderen Disziplinen Maßstäbe setzen. Und natürlich Systeme, die noch nach Jahren stabil und ausfallsicher laufen. Selbst in Ländern wie dem Iran – von Spanien, Portugal oder der Türkei ganz zu schweigen – wird heute in aller Regel nach Produkten und Lösungen gefragt, die absolut „State of the Art“ sind. Darüber hinaus haben wir uns in unserer über 60-jährigen Firmengeschichte den Ruf erworben, dass wir auf die Anliegen unserer Kunden eingehen und sie in uns einen zuverlässigen Partner haben. Das gilt natürlich auch, nachdem eine Anlage bereits ausgeliefert ist. Denn wir nehmen das Thema Service sehr ernst, die Nähe zu den Kunden ist entscheidend und wir überbrücken mit unserer Globalpräsenz für Service und Handel mit weltweit 20 Vertriebsgesellschaften nicht nur geografische, sondern auch kulturelle Distanzen.

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Warendistribution im Fashionbereich

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Taschensorter für E-Commerce

Automotiv

Transport von Instrumententafeln