Warum die eigene Engineering-Kompetenz Ihre Automatisierungsstrategie beeinflussen sollte
Projekte zur Lagerautomatisierung werden häufig anhand klarer operativer Kennzahlen bewertet: Durchsatz, Personaleinsparungen, Lagerdichte, Zuverlässigkeit und Return on Investment.
All diese Faktoren sind wichtig. Sie zeigen jedoch nicht immer, ob eine Automatisierungsstrategie auch drei, fünf oder zehn Jahre nach der Inbetriebnahme noch optimal funktioniert.
Ein Faktor wird dabei häufig übersehen: die eigene Engineering-Kompetenz des Unternehmens.
Zwei Distributionszentren können ähnliche Auftragsvolumen, SKU-Profile und Wachstumspläne haben und dennoch sehr unterschiedliche Automatisierungsstrategien benötigen. Ein Unternehmen bevorzugt möglicherweise eine vollständig betreute Lösung, bei der ein Partner die Verantwortung für Konzeption, Umsetzung, Integration und langfristigen Support übernimmt. Ein anderes verfügt vielleicht über eigene Engineering- und Softwareteams, die eng eingebunden bleiben, das System selbst anpassen und mehr Verantwortung für zukünftige Änderungen übernehmen möchten.
Dieser Unterschied ist entscheidend.
Mit zunehmender Komplexität der Fulfillment-Prozesse geht es bei der Automatisierung nicht mehr nur um die Auswahl der richtigen Technologie. Es muss auch entschieden werden, wer die Verantwortung für das System übernimmt, wer zukünftige Änderungen steuert und wie viel Flexibilität das Unternehmen benötigt, wenn sich seine Prozesse weiterentwickeln.
Die Grenzen eines standardisierten Ansatzes
Viele Automatisierungsprojekte folgen noch immer einem klassischen schlüsselfertigen Modell. Ein Anbieter konzipiert das System, liefert die Technologie, integriert die Software und übernimmt den laufenden Support.
Für viele Unternehmen ist dies der richtige Ansatz. Unternehmen ohne umfassende interne Engineering-Ressourcen benötigen häufig einen zentralen Ansprechpartner mit klarer Gesamtverantwortung. Sie profitieren von der Zusammenarbeit mit einem Partner, der das gesamte Projekt steuert und das System auch nach der Implementierung weiter betreut.
Das Problem liegt nicht im schlüsselfertigen Modell selbst. Problematisch ist vielmehr die Annahme, dass jeder Kunde dieselbe Art der Zusammenarbeit wünscht.
Dies ist zunehmend nicht mehr der Fall.
Viele Einzelhändler, E-Commerce-Unternehmen und Logistikdienstleister haben erheblich in eigene Engineering-, Automatisierungs- und Softwarekompetenzen investiert. Diese Teams möchten häufig anders arbeiten. Sie wollen möglicherweise nicht bei jeder zukünftigen Änderung, Softwareanbindung oder Prozessanpassung von einem Anbieter abhängig sein. Stattdessen wünschen sie sich die Flexibilität, Teile des Systems selbst weiterzuentwickeln, zu integrieren und zu optimieren.
Warum Flexibilität wichtiger ist denn je
Nur wenige Fulfillment-Prozesse bleiben langfristig unverändert.
Ein Einzelhändler kann einen zusätzlichen Marktplatzkanal erschließen, sein Produktsortiment erweitern, Annahmeschlusszeiten von Transportdienstleistern ändern oder einen neuen Retouren Prozess einführen. Saisonale Spitzen können weniger vorhersehbar werden. Neue Lagertechnologien müssen möglicherweise in bestehende Abläufe integriert werden. Auch die Kundenerwartungen können sich schneller verändern, als es der ursprüngliche Automatisierungsplan vorgesehen hat.
Jede dieser Veränderungen kann beeinflussen, wie ein automatisiertes System künftig funktionieren muss.
Für Unternehmen mit ausgeprägter interner Engineering-Kompetenz kann Flexibilität ebenso wichtig werden wie Durchsatz oder Personaleffizienz. Sie möchten möglicherweise unterschiedliche Softwareumgebungen miteinander verbinden, neue Technologien testen, operative Prozesse anpassen oder Systemverbesserungen vornehmen, ohne für jede Änderung von einem einzelnen Anbieter abhängig zu sein.
Das bedeutet nicht, dass sie weniger Unterstützung benötigen. Sie benötigen Unterstützung lediglich in einer anderen Form.
Lieferant oder Technologiepartner?
An diesem Punkt wird die Unterscheidung zwischen einem Lieferanten und einem Technologiepartner wichtig.
Ein Lieferant stellt in der Regel eine klar definierte Lösung bereit.
Ein Technologiepartner beginnt mit den geschäftlichen Zielsetzungen und arbeitet gemeinsam mit dem Kunden daran, die passende Kombination aus Technologien, Software, Integrationsansatz und Supportmodell zu identifizieren.
Für einige Unternehmen bedeutet dies weiterhin ein vollständig betreutes, schlüsselfertiges Projekt. Für andere kann es eine engere Zusammenarbeit mit den internen Engineering-Teams, die Integration in bestehende Systeme oder den Einsatz ausgewählter Technologien von Drittanbietern bedeuten.
Keines der beiden Modelle ist automatisch besser. Der richtige Ansatz hängt vom Unternehmen, den operativen Abläufen und dem Grad an Verantwortung ab, den das Unternehmen selbst behalten möchte.
Mit dem Betriebsmodell beginnen, nicht mit der Technologie
Ein Risiko bei der Planung von Automatisierungslösungen besteht darin, eine Technologie auszuwählen, bevor vollständig geklärt wurde, wie das Unternehmen zukünftig arbeiten muss.
Ein System, das die heutigen Herausforderungen löst, kann sich als einschränkend erweisen, wenn es sich nicht an die Anforderungen von morgen anpassen lässt.
Deshalb sollte das Planungsgespräch mit einer übergeordneten Frage beginnen:
Welche Kompetenzen wird das Unternehmen in den nächsten fünf bis zehn Jahren benötigen?
Auf dieser Grundlage lässt sich leichter entscheiden, ob das Unternehmen eine vollständig betreute Automatisierungslösung, einen partnerschaftlich arbeitenden Technologiepartner oder ein hybrides Modell benötigt, das externe Expertise mit interner Verantwortung kombiniert.
Diese Bewertung sollte über technische Spezifikationen und Durchsatzwerte hinausgehen. Berücksichtigt werden sollten unter anderem die Softwareintegration, die Instandhaltungskompetenz, die Prozessverantwortung, zukünftige Erweiterungen, interne technische Fähigkeiten und der gewünschte Grad an Kontrolle über künftige Änderungen.
Ein wichtiger Faktor für den langfristigen Erfolg der Automatisierung
Engineering-Kompetenz wird nicht immer als zentraler Bestandteil einer Automatisierungsstrategie betrachtet. Das sollte sie jedoch sein.
Die Stärke der internen Engineering-, Automatisierungs- und Softwareteams eines Unternehmens kann beeinflussen, welche Art von Lösung benötigt wird, welcher Unterstützungsumfang erforderlich ist und welche Form der Zusammenarbeit mit einem Anbieter langfristig den größten Mehrwert bietet.
Einige Unternehmen erzielen die besten Ergebnisse mit einer vollständig betreuten Lösung und einem Partner, der über den gesamten Projektlebenszyklus hinweg Verantwortung übernimmt. Andere benötigen ein offeneres, partnerschaftliches Modell, das den internen Teams mehr Mitwirkung und Kontrolle ermöglicht.
Entscheidend ist, diese Wahl bewusst zu treffen.
Der Weg zur Automatisierung ist für jedes Unternehmen anders. Die effektivste Strategie berücksichtigt nicht nur operative Zielsetzungen, sondern auch die internen Kompetenzen, zukünftigen Anforderungen und den gewünschten Grad an Eigenverantwortung.
Für Unternehmen, die ihre nächste Automatisierungsphase planen, sollte die eigene Engineering-Kompetenz daher von Beginn an Teil der Diskussion sein.
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Häufig gestellte Fragen:
Die technische Kompetenz bestimmt, in welchem Umfang ein Unternehmen nach der Implementierung die Kontrolle über sein Automatisierungssystem selbst übernehmen kann. Organisationen mit leistungsstarken internen Teams für Technik, Automatisierung oder Software streben möglicherweise eine größere Kontrolle über Integration, Optimierung und künftige Anpassungen an, während andere von einer schlüsselfertigen Komplettlösung profitieren könnten.
Engineering-Kompetenz bezeichnet die interne Fähigkeit eines Unternehmens, Automatisierungstechnik im Laufe der Zeit zu verwalten, anzupassen, zu integrieren und zu optimieren. Dazu können Fachkenntnisse in den Bereichen Maschinenbau, Steuerungstechnik, Software, Instandhaltung, Prozessoptimierung und Systemintegration gehören.
Nicht unbedingt. Eine schlüsselfertige Lösung kann für Unternehmen, die einen einzigen Ansprechpartner für die Gesamtverantwortung und langfristige Unterstützung durch den Anbieter wünschen, äußerst effektiv sein. Organisationen mit leistungsstarken internen Technik-Teams bevorzugen hingegen möglicherweise ein stärker auf Zusammenarbeit ausgerichtetes Modell, das ihnen mehr Eigenverantwortung und Flexibilität bietet.
Ein Automatisierungsanbieter liefert typischerweise eine definierte Lösung. Ein Technologiepartner arbeitet mit dem Unternehmen zusammen, um dessen operative Ziele, interne Kompetenzen und zukünftige Anforderungen zu verstehen, und hilft anschließend dabei, die passende Lösung sowie das entsprechende Support-Modell auf diese Bedürfnisse zuzuschneiden.
Unternehmen sollten ihre operativen Ziele, internen technischen Ressourcen, Anforderungen an die Softwareintegration, künftigen Wachstumspläne sowie den gewünschten Grad der Kontrolle berücksichtigen. Der richtige Ansatz kann – je nachdem, wie das Unternehmen seine Automatisierung verwalten und weiterentwickeln möchte – eine schlüsselfertige Lösung, eine partnerschaftliche Zusammenarbeit oder ein Hybridmodell sein.
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